Raphael Wallfischs musikalische Arbeit wider das Vergessen

(Berliner Morgenpost) —  Der Cellist Raphael Wallfisch beugt sich über das Notenpult in seiner Garderobe. Der Klavierauszug ist handgeschrieben und die Notenschrift ist so klein, dass Wallfisch eine Lupe zum Lesen benutzen muss. Das Cello-Konzert des österreichischen-amerikanischen Komponisten Karl Weigl, das er zusammen mit dem Konzerthausorchester Berlin und dem Dirigenten Nicholas Milton aufnimmt, wurde bislang noch nie gespielt.

“Ich werde bald mehr über diese Musik erzählen können”, sagt Wallfisch. “Sie ist sehr romantisch, ein bisschen wie die von Alexander Zemlinsky. Es gibt auch groteske Momente, die einen an Gustav Mahler denken lassen: märchenhaft, wie Gnomen im Wald”.

Der 61 Jahre alte, in London geborene Musiker widmete sich im Laufe seiner Karriere über 100 verschiedenen Werken des Cello-Repertoires, von Paul Hindemith und Bohuslav Martinu bis hin zu britischen Komponisten wie Gerald Finzi und James MacMillan. Die Reihe, die er für das Label cpo in Osnabrück aufnimmt, liegt ihm jedoch besonders am Herzen. Es entreißt die Musik jüdischer Exilkomponisten der Vergessenheit, und dies in jener Stadt, in der seine Mutter Anita Lasker-Wallfisch als Cello-Studentin einst die Reichspogromnacht erlebte. Sie ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz.  […]