Sonnenschein nach dem Schneefall

Sunshine after Snowfall

(Opernwelt) — Taiwan wirkt nicht auf den ersten Blick wie eine Oase der Oper. Doch der Schein trügt: Im vergangenen März, als die meisten Theater weltweit stillgelegt wurden, brachte das Nationale Kaohsiung Zentrum für Kunst und Kultur an der Südwesten Küste der Insel vier vollinszenierte Vorstellungen von Verdis La Traviata auf die Bühne. Das schlicht-moderne Inszenierungskonzept der Regisseurin Shih-ping Yang spiegelte die hohe Gesellschaft Taiwans – was durch die Anwesenheit von Gesundheitsminister Shih-chung Chen einem der zwei ausverkauften Abende gleichsam offiziell auch beglaubigt wurde.

Das 2018 errichtete Zentrum mit dem Spitznamen „Weiwuying“ (nach dem ehemaligen Militärstützpunkt des Geländes) ist das Größte seiner Art im Land. Es bietet Platz für mehr als 5,000 Menschen. Das Opernhaus ist mit 2,236 Plätzen bestuhlt, dazu kommen ein Konzertsaal, ein Schauspielhaus und ein Kammermusiksaal. Das Open-Air-Theater auf dem Gelände hat sogar eine Kapazität von 20.000 Sitzen. Eine Riesenchance also, das lokale Publikum an ein breites Spektrum von darstellenden Künsten heranzuführen. […]

(Feature profile of the conductor Chien Wen-Pin, artistic director of the National Kaohsiung Center for the Arts in Taiwan. Available in print or online)